Das wichtige Thema User Experience (UX) erfährt auch bei pressrelations zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Mit neuen Produkten wie dem Influencer-Tool oder bei der fortlaufenden Weiterentwicklung unseres Kernproduktes NewsRadar sind wir in der Produktentwicklung neue Wege gegangen. Lernprozesse im Allgemeinen durchlaufen Phasen von Enthusiasmus wie auch Zweifel und Reflexion, da sind wir bei pressrelations keine Ausnahme. Im Folgenden möchten wir einen Überblick geben, welchen Weg wir gegangen sind und wie UX-Methoden die Produktentwicklung bei pressrelations geprägt haben.

UX  – Worum geht es?

Vereinfacht gesprochen wird in der klassischen Produktentwicklung eine Produktidee in einer geschlossenen Umgebung bis zur Marktreife entwickelt und anschließend in den Markt gebracht („Wasserfall-Prinzip“). Nachträgliche Anpassungen und Änderungen aufgrund von Kundenfeedback sind zeitintensiv und manchmal gar nicht möglich. Die Entwicklung programmiert „ins Blaue hinein“, da weder Konzepte noch Designs vorab validiert werden können.
Ausgehend von einer Geschäftsidee soll beim UX-Ansatz in engem Zusammenwirken mit den Kunden das Produkt iterativ, also in vielen kleinen, überschaubaren Schritten, organisch wachsen und entstehen. Auf diese Weise ist es leichter möglich, auf veränderte Anforderungen und Marktsituationen flexibel zu reagieren.
Idealerweise ergeben alle Zwischenschritte bereits funktionierende Produkte, die am Markt und am Kunden getestet werden können. Fehlentwicklungen können so bereits nach wenigen Wochen (und nicht erst nach vielen Monaten) korrigiert werden, was zu einer immensen Kostenreduzierung führen kann (und Nerven schont).
Ziel der UX-Methoden ist, bessere Produkte schneller in den Markt zu bringen, und somit Zeit zu sparen und Entwicklungskosten zu reduzieren.

UX Grafik(Quelle: http://www.macadamian.com/2015/08/20/indicators-of-user-experience-maturity/)

1. Der Anfang

Die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist Kerngedanke der Firmenphilosophie. Die Adaption von UX im Allgemeinen und User Centered Design im Besonderen nahm 2013 ihren Lauf, angestoßen durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, den wir auf Plattformen und Veranstaltungen wie dem UX DAY (Mannheim) suchen.
Mit neuer Motivation besuchten wir weitere Events zum Thema UX und kamen mit neuem Input zurück. Im Fokus sollten von nun an durch ausgereifte Analysemethoden validierte Kernbedürfnisse des Nutzers stehen. Für die konzeptionelle Arbeit probierten wir neue, spannende Verfahren wie die Design Studio-Methode aus, die es uns ermöglichte, erste, grobe Interaktionskonzepte kollaborativ zu erstellen. Ein Anfang war gemacht. Das zarte Pflänzchen UX konnte sprießen.

2. Bewusstseinsphase

Ende 2014 begannen wir mit der Konzeption für unsere erste größere Neuentwicklung – das Influencer Tool – und wendeten die Design Studio-Methode für einen frühen Prototypen an. Die Vorteile der nutzerzentrierten Produktentwicklung liegen auf der Hand: Unnötiger Entwicklungsaufwand kann durch eine frühzeitige Evaluation unserer Konzepte vermieden und eine Anwendung entwickelt werden, die die Anforderungen, Wünsche und Einschränkungen der Nutzer berücksichtigt. In enger Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Agentur erlangten wir Wissen in den Bereichen User Research, Konzeption und Prototyping; Wissen, welches uns in dieser Phase gerade Recht kam. Nach und nach erfuhren wir, wie wir z.B. Personas (generische Kundenprofile) erstellen, objektives Kundenfeedback einholen oder Wireframes (grundlegende Prototypen) anfertigen konnten.

3. Anwendungsphase

Zusammen mit unserem Kunden Boehringer Ingelheim starteten wir im März 2015 erste Nutzerbefragungen zu unserem Prototypen, um unsere neuen Ideen zu validieren und damit auch die neu angeeigneten Methoden am Markt auszuprobieren. Bestärkt durch die positiven Reaktionen, gründete sich ein UX-Team, das sich umfassender in das Gebiet einarbeiten und das neue Bewusstsein für benutzerzentrierte Produktentwicklung in das gesamte Unternehmen tragen sollte. In diesem Team versammelten wir für UX zentrale Kompetenzen zu bündeln, u.a Unternehmensstrategie, Key Account, Usability-Testing, Konzeption und Entwicklung.
Anfang 2016 wagten wir weitere Schritte und führten mehrere so genannte „Design Sprints“ durch, ein Format, welches uns Methoden an die Hand gab, neue Ideen in sehr kurzer Zeit zu evaluieren. Dazu kam unser zweites Produkt, die Neuentwicklung unseres Monitoring-Portals NewsRadar gerade recht. In nur einer Woche ist es uns gelungen, eine abstrakte Idee in einen testbaren Prototypen zu verwandeln. An dieser Stelle erweiterten wir unser Methodenköfferchen um User Journey Maps, Storyboards und Click-Flows. In einem eigens dafür ausgestatteten Test Lab konnten wir beobachten, inwieweit unsere Lösungsansätze den Live-Test mit unseren Kunden bestanden.

UX Grafik2
Um aussagekräftigere und noch realistischere Ergebnisse zu unserem Prototypen zu erlangen, ließen wir im Anschluss daran den wissenschaftlichen Dunst des Test-Labs hinter uns und entschieden uns für einen zweiwöchigen Nutzertest mit ausgewählten Kunden unter Realbedingungen. Telefonische Kundeninterviews und Online-Umfragen ermöglichten uns, ein umfassenderes Bild von den Kernbedürfnissen unserer Kunden zu erlangen. Diese „analytische“ Seite von UX erbrachte uns eine Fülle an Wissen darüber, wie unsere Produkte und Dienstleistungen vom Kunden aufgenommen und verstanden werden; mit den Design-Sprints, den Prototypen und den Story-Boards, der „kreativen“ Seiten von UX, erlangten wir ein ganzes Bündel neuer, frischer Ideen, die darauf warten, in neue Produkte und Features gegossen zu werden. Nun geht’s ans Machen.

4. Realisierungsphase

Aktuell besteht unsere Herausforderung darin, die nächste Phase, die so genannte „Realisierungsphase“ zu erreichen, in der UX-Prozesse zu den routinierten, festen Arbeitsabläufen im gesamten Unternehmen gehören. Dazu wird das Thema UX die Grenzen des UX-Teams hinter sich lassen müssen, dessen vornehmliche Aufgabe die eines Pioniers auf unbekanntem Terrain war. Einige fehlende Rollen und Aufgaben müssen dafür neu oder anders besetzt werden, die Einbindung aller Mitarbeiter wird über ein eigens dafür etabliertes „Innovationsformat“, ein „Company-Backlog“ erfolgen. Dort haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit, neue Ideen für Produkte oder Features einzubringen. Stellt sich dabei heraus, dass das Unternehmen diese Idee weiter verfolgen möchte, kann die Produktentwicklung in Gang gebracht werden.
UX verlagert wesentliche Aspekte der Produktentwicklung „nach vorne“, weg von der eigentlich (technischen) Entwicklung, hin zur Kundenkommunikation, Kundenanalyse und Konzeption. Dieser Shift nimmt Zeit in Anspruch und wird das gesamte Unternehmen und seine Arbeitsabläufe verändern. Einiges mag noch zu kurz kommen, manchmal wollen auch wir zu viel auf einmal machen. Ein solchen Unterfangen darf mal knirschen und knacken, es darf und soll auch mal diskutiert werden, was unser minimal viable product nun beinhalten soll oder wie wir Annahmen besser validieren können. Solange wir es schaffen, an einem Strang zu ziehen und die gemeinsame Vision einer nutzerzentrierten Produktentwicklung aufrecht zu erhalten, wird UX uns zu besseren Produkten führen. Das ist unsere Überzeugung. Unser dritter Produktsprint ist gerade in Vorbereitung.

UX Productsprint

Das pressrelations Team beim Design Sprint.

 

UX bei pressrelations

Der letzte fünftägige Design Sprint von pressrelations war eine gute Möglichkeit, um in kleinen Gruppen schnelle und messbare Ergebnisse zu erzielen.

Co-Autor:
sven_sommerfeld_IMG_3963Sven Sommerfeld | Entwickler bei pressrelations GmbH
Seit 2013 ist Sven Sommerfeld als Full Stack Entwickler bei pressrelations mit an Bord. Zu seinen besonderen Interessen zählen die Konzeption und visuelle Entwicklung von neuen Produkten. Davor war er Lehrbeauftragter und Researcher für historische und theoretische Linguistik an der Heinrich-Heine-Universität. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, UX-Methoden in der Entwicklung zu etablieren.

 

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