Bereits zum zehnten Mal trifft sich die Digital- und Medienszene in Berlin auf der Republica, um die neuesten Internettrends zu diskutieren. Die einstige kleine Blogger-Veranstaltung ist längst zu einem der größten Internet-Events Europas avanciert. Über 8.000 Besucher und 700 Speaker nehmen in diesem Jahr teil. Entsprechend breitgefächert ist auch das Themenspektrum der diesjährigen Konferenz. Unter dem Motto „Ten is Net“ blickt die Republica auf vergangene Inhalte zurück und wagt neue Ausblicke. Dabei geht es um große Themen: von der Neutralität im Netz oder dem Potenzial vom Enthüllungsjournalismus über die Chancen und Anwendungsbereiche der Virtual Reality (VR) bis hin zur Frage, wie die digitale Arbeitswelt in Zukunft aussehen soll. Auch die Themen Hate Speech, der Umgang von Menschen im Netz sowie Strategien gegen Stalking oder Mobbing standen auf der Agenda.

Beim Jahrestreffen der digitalen Gesellschaft ging es am ersten Tag vor allem um die Fragen, wie das offene Internet erhalten und die Netzneutralität gewahrt werden kann. So warnte der Republica-Mitbegründer und Netzpolitik.org-Chef Markus Beckedahl im Eröffnungsbeitrag „Das offene Internet ist bedroht“ vor zunehmenden Kontrollmechanismen im Netz und der steigenden Abhängigkeit von einer einzigen oder sehr wenigen Plattformen, die dem User auch noch die Regeln einseitig vorgeben. In seinem zweiten Vortrag „Fight for your digital rights“ sprach Beckedahl vor allem über die Problematik bei der Einführung eines europäischen Leistungsschutzrechts im Zuge einer Urheberrechtsreform. EU-Kommissar Günther Oettinger hielt im Talk „Netzneutralität bis Recht auf Vergessen. Wo steht die EU?“ dagegen und verteidigte die umstrittenen EU-Vorschläge und -Regelungen zum Leistungsschutzrecht und zur Netzneutralität.

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EU-Kommissar Günther Oettinger spricht über Netzneutralität und über das Leistungsschutzrecht auf der re:publica 2016.

Ein weiteres Highlight der Republica war das Gespräch mit dem Whistleblower Edward Snowden, für das er live aus seinem Exil in Moskau zugeschaltet wurde. Snowden appellierte, den Schutz der Privatsphäre in einer zunehmend digitalisierten Welt nicht zu vernachlässigen.
Am Abend zog dann Sascha Lobo in seinem Vortrag „The Age of Trotzdem“ Bilanz im Kampf um ein freies und gleiches Internet für alle. Das Republica-Stammpublikum ist laut Lobo die „digitally lost generation“, die sich eingestehen muss, zumindest netzpolitisch nur wenig bewirkt zu haben. Aber: Man müsse den Fortschritt „verdammt nochmal selbst mitgestalten, wenn man ihn nicht aufhalten kann“. Daher lautet sein Rat an die Zuhörer: „Werdet Unternehmer und rettet das Internet!“ Drei Wünsche hatte Lobo an die zukünftigen Internet-Unternehmer: eine neue, unabhängige Suchmaschine, ein „Snapchat für Erwachsene“ und „einen funktionierenden Ersatz für iTunes“.

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Sascha Lobo auf der re:publica 2016.

Die Themen der Konferenz gehen aber weit über die reine Digitalpolitik hinaus: Isa Sonnenfeld vom Google News Lab gab Journalisten Nachhilfe im Storytelling. Sie zeigte auf, wie sich die Zukunft der Branche gestalten und Innovationen im Bereich der digitalen Berichterstattung fördern lassen. Mit dem Google News Lab bietet der Konzern Redakteuren verschiedene Tutorials und Tools mit datenjournalistischem Schwerpunkt an.
Auch die aktuelle Flüchtlingssituation ist ein Thema auf der Republica. Redakteure der ARD-Sender stellten ihre Redaktionsprojekte für Flüchtlinge vor und sprachen mit den Teilnehmern über Integration.
Eine Premiere gab es im Rahmen der Veranstaltung „Film & TV Made in Germany – Meet the Teams“. Der Sender ARTE launchte die „Tankstelle des Glücks“ ein  360-Grad-Virtual-Reality-Musikvideo mit dem viralen Entertainer Friedrich Liechtenstein.

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ARTE und Friedrich Liechtenstein präsentieren das 360-Grad-Musikvideo „Tankstelle des Glücks“.

Neben den zahlreichen Vorträgen gab es am ersten Tag der Republica auch Workshops, die sich mit praktischen Aspekten der digitalen Kultur befassten und die Möglichkeit boten, selbst Hand anzulegen. So wurden in Workshop „Sketchnotes für Einsteiger“ grundlegende Techniken des narrativen Zeichnens im Web vermittelt. Das Workshop-Ergebnis unserer Medienanalystin Kathrin Womser sehen Sie hier:

kathrin sketchnote

Sketchnote

Der zweite Republica-Tag war der Virtual Reality– und Augmented Reality gewidmet: Nicht nur in Vorträgen wurden die neuen Technologien in verschiedensten Anwendungsbereichen beleuchtet, die Besucher konnten einzelne Lösungen für Virtuelle Realität auch selbst ausprobieren. Zudem hatte Google zum zehnten Geburtstag der Republica einen Virtual Reality-Flashmob organisiert. Mehrere Hundert Teilnehmer der Konferenz nahmen daran teil und hielten sich Googles „Cardboard“-Brillen vors Gesicht – das sind Pappkästchen, die mit Hilfe eines eingesteckten Smartphones 360-Grad-Videos als virtuelle Realität wiedergeben können.
Ein weiteres Highlight der Republica am zweiten Tag war die Diskussion um die Zukunft der digitalen Arbeitswelt mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Unter dem Motto „Arbeiten 4.0“  diskutierten Teilnehmer der Digitalkonferenz mit der Bundesarbeitsministerin über Co-Working-Spaces, mobiles Arbeiten, Bürokratie und TTIP. Wer Fragen hatte, durfte direkt vorne bei Andrea Nahles auf dem Podium Platz nehmen. Nahles präsentiert sich engagiert und eloquent. Jeder Diskussionsteilnehmer wurde von ihr mit Handschlag begrüßt und selbstverständlich geduzt. Die Bundesarbeitsministerin verwies im Rahmen des Dialogs auf das Arbeit-4.0-Konzept, das im Herbst aus ihrem Ministerium erwartet wird.

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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Dialog zu „Arbeit 4.0“.

Auf der Republica stehen noch bis einschließlich Mittwoch, 03. Mai (19:30 Uhr), die Herausforderungen in der digitalen Welt zur Diskussion. Uns erwarten also noch viele spannende Talks und Sessions. Eine Zusammenfassung des letzten Tages der 10. Republica finden Sie wie gewohnt auf unseren Social Media Kanälen Twitter und Facebook.

 

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Anja Kloster

Anja Kloster

Senior Social Media & Online Marketing Manager bei pressrelations GmbH
Anja Kloster ist Senior Social Media & Online Marketing Manager bei pressrelations in Berlin und neben dem Online Marketing auch für die Konzeptionierung von Social Media Monitoring Lösungen verantwortlich. Sie schreibt rund um die Themen Social Media, Online Marketing und SEO. Bevor sie zu pressrelations kam, war sie als Social Media Content Managerin und Research & Program Planning Managerin für internationale Medienkonzerne tätig.

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