Drei Jahre nach der Liberalisierung des deutschen Fernbus-Marktes zieht sich die Deutsche Bahn wegen starker Verluste aus dem Fernbusgeschäft weitgehend zurück und lässt damit noch mehr Raum für den Marktführer Flixbus. Jahrelang profitierte die Deutsche Bahn vom Konkurrenzschutz und dominierte damit im Fernverkehr sowohl das Eisenbahn- als auch das Fernbusliniengeschäft. Die Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs Anfang 2013 veränderte den inländischen Fernverkehrsmarkt nachhaltig. Schon im ersten Jahr nach der Liberalisierung gab es laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fünf neue Marktteilnehmer im Fernbussegment: DeinBus.de, MeinFernbus, FlixBus, city2city und Postbus. Weitere kamen in den Folgejahren hinzu und die Anzahl der angebotenen Strecken stieg um über 300 Prozent. Einige der neuen Marktteilnehmer hielten dem Druck des freien Wettbewerbs jedoch nicht stand. Bereits 2014/15 kündigten einige Fernbusunternehmen den Rückzug vom deutschen Markt an, meldeten Insolvenz an oder fusionierten. Mit Letzterem versuchte man einerseits Zugang zu Neukunden zu erhalten, um eine höhere Auslastung zu erzielen. Andererseits wurde so auch die Anzahl der Mitbewerber verringert.

Übernahme und Verdrängung: Medienstudie zum Fernbusmarkt

Vor dem Hintergrund der jüngsten Fusionsbestrebungen des Fernbusanbieters FlixBus hat preceptor, das medienwissenschaftliche Institut von pressrelations, eine Studie zum deutschen Fernbusmarkt durchgeführt. Im Rahmen einer Medieninhaltsanalyse wurde für das Jahr 2016 untersucht, wie über die Fernbusbranche im massenmedialen Diskurs berichtet wird. Eine ergänzende Face-to-Face-Befragung von Fernbusreisenden lieferte darüber hinaus aufschlussreiche Erkenntnisse zu Fahrgastmotiven.

Medienanalyse: Branchenereignisse treiben Berichterstattung maßgeblich an

preceptor nahm die jüngste Fusion im Fernbusverkehr zum Anlass für eine inhaltsanalytische Untersuchung zum deutschen Fernbusmarkt: Marktführer FlixBus übernimmt Postbus. Die Berichterstattung regionaler und überregionaler Printmedien und deren Onlineableger zeigt deutliche Unterschiede im Beitragsaufkommen im Zeitraum von Januar bis August 2016. Während sich der Anteil der Medienbeiträge zu Jahresbeginn gemessen an der Gesamtbeitragszahl um einen niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegt, so können im April und der Jahresmitte niedrige zweistellige Prozentbeträge verzeichnet werden. Im weiteren Jahresverlauf gibt es deutlich höhere Peaks, die auf die mediale Aufarbeitung spezifischer Branchenereignisse zurückzuführen sind. Diese Berichterstattung erreicht ihren Höhepunkt mit einem fast 40-prozentigen Anteil an der Gesamtbeitragszahl im August und ist vor allem mit der Thematisierung der Postbus-Übernahme durch FlixBus zu begründen.

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Aktuelle Fernbusmarktentwicklung medial negativ bewertet

Die Tiefenanalyse der im Juni und August 2016 publizierten Printbeiträge in regionalen und überregionalen Medien zeigt, dass  mehr als zwei Drittel der journalistischen Beiträge sowohl negative als auch positive Tendenzen aufweisen. Bei den Themenfeldern Fernbusmarktwettbewerb und derzeitige Branchenentwicklung überwiegen negativ konnotierte Beiträge. Die Leistungsmerkmale von Fernbusanbietern als auch deren Beitrag zur Verkehrsinfrastruktur werden hingegen deutlich positiv bewertet. Als Berufsfeld schneiden Tätigkeiten im Fernbusmarkt basierend auf thematischen Bewertungen vergleichsweise schlecht ab, wobei insbesondere häufig der Umgang mit Mitarbeitenden in Subunternehmen kritisiert wird.

Tenor gegenüber Fernbusanbietern sehr unterschiedlich

Die Analyse der Fernbusanbieter sowie die Untersuchung von Fernverkehrsalternativen wie Bahn, Flugzeug oder Carsharing gibt Aufschluss über spezifische Unternehmens- bzw. Subbranchenwertungen. FlixBus, Postbus und BerlinLinienBus dominieren mit einem Anteil von über drei Vierteln an der Gesamtzahl an Unternehmensnennungen nicht nur hinsichtlich der Anzahl an Unternehmensnennungen, sondern insbesondere bezüglich der Wertungsintensität. Wenngleich der derzeitige Wettbewerb in der Fernbusbranche in den Medien mehrheitlich negativ dargestellt wird, so verzeichnet FlixBus als einer der Haupttreiber der Marktkonsolidierung dennoch stark positive Bewertungen. Betrachtet man die Unternehmenswertungen von BerlinLinienBus und IC Bus als Fernbuslinien der Deutschen Bahn gemeinsam mit ihrem Schienenangebot, so ist die Gesamttonalität des ehemaligen Fernlinien-Monopolisten zu zwei Dritteln von negativen Wertungen geprägt.

Befragung: Reisende nehmen im Fernverkehr lieber den Bus als die Bahn

preceptor ergänzte die Medieninhaltsanalyse durch eine stichprobenartige persönliche Befragung von Fernbusreisenden, die auf Tendenzen bei der Fahrgastpräferenz schließen lässt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten gibt an, selten oder gelegentlich – und damit bis zu sechs Mal im Jahr – mit einem Fernbus zu fahren. Über 30 Prozent der interviewten Fernbusreisenden nutzen monatlich oder öfter die Angebote auf dem Fernbusmarkt.  Insgesamt schneidet das Reisen mit dem Fernbus auf einer Schulnotenskala beachtlich gut ab. Zwei Drittel der Befragten bewerten Fernbusreisen mit den Schulnoten Gut oder Sehr Gut. Die Mehrheit der Interviewten gibt an, lieber mit dem Fernbus als mit der Bahn zu reisen.

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Günstige Ticketpreise machen den Fernbus zum präferierten Fernverkehrsmittel

Eine Abfrage von Bewertungskriterien, anhand derer die beiden Fernverkehrsanbieter miteinander verglichen wurden, gibt Aufschluss über mögliche Gründe der Verkehrsmittelpräferenz. So schneidet der Fernbus aus Fahrgastperspektive bei Reisen innerhalb Deutschlands unter anderem hinsichtlich des Preises und der Pünktlichkeit eindeutig besser ab als die Bahn. Wenn auch nur knapp, so kann die Bahn die Befragten zumindest bei den Kriterien Komfort und Sicherheit überzeugen. Es zeigt sich, dass optimierte Online-Shop-Angebote im digitalen Zeitalter von Kunden auch honoriert werden. So werden unabhängig von vorab definierten Bewertungskriterien die Online-Buchungsmodalitäten bei Fernbusunternehmen mehrfach von den Befragten gelobt.

Präferenz für Fernbusanbieter spiegelt Konsolidierung der Branche nicht wieder

Als präferierte Fernbusanbieter werden ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten von den interviewten Reisenden zwar Unternehmen genannt, die sich als Fernstreckenchauffeure durchaus einen Namen gemacht haben, jedoch scheinen jüngste Unternehmensfusionen nicht bei allen angekommen zu sein. Obwohl der Markenname MeinFernbus bald nach der Übernahme durch FlixBus aufgegeben wurde, gibt über ein Viertel der Befragten MeinFernbus als jenen Fernbusanbieter an, mit dem sie am liebsten fahren würden. Dies spricht zwar für eine starke Markenbekanntheit, zeugt jedoch auch von noch vorhandenem Kommunikationspotenzial seitens FlixBus.

Fazit: FlixBus dominiert Medienberichterstattung und erzielt höchste Bekanntheit bei Passagieren

Als attraktives Mobilitätsangebot ist der Fernbus in Deutschland drei Jahre nach der Marktliberalisierung mit dem gut ausgebauten Streckennetz und seinen günstigen Ticketpreisen zu einer populären Reisealternative geworden. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn FlixBus als marktbeherrschender Fernbusanbieter beginnt, seine Monopolposition auszunützen und höhere Preise verlangt. Nachdem nun auch die Deutsche Bahn angekündigt hat, Ende 2016 den Betrieb ihrer Konzerntochter BerlinLinienBus aufzugeben, scheint eine Preisanpassung nicht unwahrscheinlich, zumal das Geschäft im Personentransport bis dato noch defizitär ist. Es bleibt abzuwarten, wie die verbleibenden Fernbusanbieter im harten Wettbewerb neben FlixBus bestehen werden. FlixBus wird wohl weiterhin auf der Überholspur bleiben, wenngleich andere Fernverkehrsmitbewerber versuchen werden, den Konkurrenten auszubremsen.

Für alle Fragen rund um die Medienstudie zum Fernbusmarkt stehen wir gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns per E-Mail unter oliver.numrich@pressrelations.de oder per Telefon unter +49 (0)30 200 07 75 – 12.

Co-Autor:
Christiane-MayerChristiane Mayer | Praktikantin in der Medienanalyse bei preceptor GmbH
Im Rahmen ihres Praktikums in der Medienanalyse bei preceptor hat Christiane Mayer Studien für nationale Kunden unterschiedlicher Branchen mitbetreut. Aufgrund ihres ausgeprägten Interesses für die quantitative Forschung spezialisierte sie sich in ihrem Studium auf die Medien- und Kommunikationsforschung. Sie war bereits an zahlreichen Forschungsprojekten beteiligt.

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Philipp Hoffmann

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