Immer wieder werden neue, zum Teil vielversprechende Social-Media-Netzwerke erfunden und aufgebaut, die Facebook, Twitter, Snapchat und Co. den Rang ablaufen sollen. Schnell werden Sie dann zur angesagtesten App am Markt stilisiert. Oft verebbt die anfängliche Begeisterung aber vergleichsweise schnell.

Einer dieser Hypes ist derzeit die Plattform Vero. Handelt es sich hierbei um einen kurzzeitigen Hype oder hat die Plattform das Zeug, sich dauerhaft durchzusetzen?
Vero wird als das neue „True Social“-Netzwerk, eine „einzigartige Plattform“ mit „Echtwelt-Beziehungen“ vermarktet. Die Erfinder werben damit, dass die Plattform werbefrei sei, ohne Bezahlinhalte auskomme und zudem auch keine persönlichen Daten sammele. Die Timeline zeigt die Beiträge in chronologischer Reihenfolge und kommt ohne Algorithmen aus. Klingt beim ersten Lesen nicht verkehrt. Doch was ist dran an den Versprechungen?

Ein Blick in die App

Die Plattform mit dem türkisfarbenen, auf dem Kopf stehenden Dreieck auf schwarzem Hintergrund lässt sich am ehesten als eine Mischung aus Social Media App Vero Einblick in die AppInstagram und Facebook bezeichnen. Öffnet man die App, gelangt man direkt in die eigene Timeline. Zu sehen sind Posts von Freunden und Seiten, denen man als Leser folgt. Hier besteht die Möglichkeit, Beiträge zu liken und zu kommentieren. Die gefundenen Mitglieder können in Kategorien unterteilt werden: Enge Freunde, Freunde, Bekannte oder Follower. Diese Funktion erinnert an die Freundeslisten bei Facebook. Bei jedem Posting kann dann individuell entschieden werden, welcher dieser Kreise den Beitrag zu sehen bekommen soll.

Vero bietet im Vergleich zu Facebook zudem eine größere Auswahl an Medien, die geteilt werden können. So kann jeder Nutzer bspw. klassische Bild- und Videobeiträge teilen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Links, Bücher, Filme, Musik und Orte zu posten. Allerdings erlaubt das Netzwerk keine reinen Textbeiträge. In jedem Posting können Hashtags verankert und über die Suchfunktion gefunden werden.
Neben der erwähnten Suchfunktion sind vier weitere Reiter zu finden. Zum einen das eigene Profil. Instagram-ähnlich können hier Fotos und Biografie erstellt bzw. hinzugefügt werden. Dort sind ebenso Verbindungen, Follower, Posts und Anfragen zu sehen, genau wie die Einstellungen rund um das eigene Profil. Zum anderen die „Collections“, eine automatische Einordnung der Posts aus der Timeline in die verschiedenen Kategorien (Foto, Link, Musik usw.).
Es folgen noch die beiden Reiter Mitteilungen und Chat, die selbsterklärend sind.

Social Media App Vero   Social Media App Vero   Social Media App Vero   Social Media App Vero

 

Wer steckt hinter Vero?

Hinter Vero steckt ein dreiköpfiges Gründerteam – Scott Birnbaum, Motaz Nabulsi und Ayman Hariri. Letzterer ist CEO und das bekanntere Gesicht. Er ist der Sohn von Libanons ehemaligem Ministerpräsidenten Rafik Hariri. Bevor er Vero ins Leben gerufen hat, war er stellvertretender Geschäftsführer einer Baufirma in Saudi-Arabien. Nach eigenen Angaben gründete er die App, da er mit der derzeitigen Situation der Sozialen Netzwerke unzufrieden war. Vor allem hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre.
Doch entgegen zahlreicher anders lautender Meldungen aus den letzten Wochen ist die App nicht neu auf dem Markt, sondern bereits seit 2015 in App- und Play Store verfügbar.
Lauter wurde es um die App, als im September 2017 der Kurzfilm „Snow Steam Iron“ von Regisseur Zack Snyder auf Vero veröffentlich wurde und der Fotograf Robert Whitman seinen Prince-Bildband „Pre-Fame“ exklusiv auf Vero verkaufte. Diese beiden Aktionen führten dazu, dass Vero enorm an Bekanntheit gewann. In der Folge befassten sich einige wichtige Influencer verstärkt mit der App und berichteten entsprechend. Ebenso hatten einige Prominente ihren Beitritt verkündet, wie zum Beispiel Sänger Casper und Moderator Klaas Heufer-Umlauf.

Nutzerzuwachs – Fluch oder Segen

Auf den folgenden Ansturm war die bis dahin relativ unbekannte App nicht vorbereitet. Die Folge waren Serverprobleme, technische Schwierigkeiten und Abstürze, welche bis heute nicht vollständig behoben wurden. Unter anderem war angekündigt, dass die erste Million Nutzer einen kostenlosen Account bekommen sollte, alle nachfolgenden sollten für die App bezahlen. Auch dies war ein weiterer Grund für den Hype. Die Million ist längst geknackt, doch die Möglichkeit zur kostenfreien Registrierung besteht weiterhin. Auf der Website wurde verkündet, dass auch hier technische Probleme der Grund seien und die Anmeldung bis auf weiteres kostenlos bleibe. Was die App einmal kosten soll, ist ebenfalls noch nicht bekannt.
In Folge der zahlreichen technischen Schwierigkeiten ist der potenzielle Trend eher ein kurzfristiger Hype geblieben. Denn in den aktuellen Chartlisten des App Stores und Google Play Store ist Vero aktuell nicht zu finden. Viele Nutzer waren außerdem verärgert darüber, dass bei der Anmeldung die Telefonnummer zur Verifizierung verlangt wurde. Vermehrt tauchen jetzt bei Twitter auch Beiträge von Nutzern auf, die ihren Account wieder löschen wollen und unter dem Hashtag #deletevero andere dazu aufrufen, ihrem Beispiel zu folgen.

Es bleibt abzuwarten, ob alle Versprechungen seitens Vero eingehalten werden. Ebenso bleibt offen, wie es mit der App weitergehen wird, denn noch gibt es keine offiziellen Aussagen dazu. Viele misstrauen den Versprechungen und stören sich an den massiven technischen Mängeln. Alles in allem trägt der Hype nicht dazu bei, dass Vero einen seriösen Eindruck macht und somit eine ernsthafte Konkurrenz für Facebook, Twitter und Co. werden kann. Ich persönlich habe mir Vero heruntergeladen und ein oder zwei Tage fleißig gepostet. Doch dann ist die App schnell wieder von meinem Startbildschirm verschwunden.

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Antonia Witthaus

Antonia Witthaus

Junior Marketing Manager bei pressrelations GmbH
Seit Frühjahr 2018 arbeitet Antonia Witthaus als Junior Marketing Managerin bei pressrelations. Zuvor hat sie „Technikjournalismus und PR“ studiert und bereits während ihres Studiums erste Praxiserfahrung gesammelt. Bei pressrelations unterstützt sie nun das Marketing-Team bei allen Maßnahmen, on- und offline.
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