Die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 führten zu einem Medienereignis, das allenfalls mit der Mondlandung 1969 zu vergleichen ist. Nie zuvor war live über ein solch katastrophales Ereignis, das den Ausbruch eines Krieges zur Folge hatte, berichtet worden. Für die mediale Berichterstattung, war dies ein revulotionäres Ereignis, das zu einer extrem hohen Mediennutzung führte.
Den größten und nachhaltigsten Zuwachs verzeichneten dabei die Online-Medien, deren Reichweiten geradezu explodierten.

Die Mediennutzung an 9/11

Das Fernsehen war das wichtigste Medium für die Erstinformation, weil es bewegte Bilder vom Terror-Anschlag bot. Gegen die Live-Übertragung im TV kam kein anderes Massenmedium an, auch nicht die Online-Medien. Die Print- und Online-Medien wurden für ergänzende und tiefergehende Informationen genutzt. Dabei hatten die Online-Ausgaben den entscheideneden Vorteil, konstant aktualisiert werden zu können.
Die vergleichsweise noch recht jungen Online-Medien verzeichneten dennoch den größten und nachhaltigsten Zuwachs. Der immense Anstieg der Onlinenutzung führte teilweise dazu, dass manche Nachrichtensites gar nicht mehr erreichbar waren, weil ihre Kapazitäten noch nicht dafür ausgelegt waren. Oft waren einige Online-Medien für Stunden unerreichbar, während die Fernsehsender in alle Häuser sendeten.
Manche Anbieter, wie beispielsweise Spiegel-Online, mussten auf Grund der immensen Zugriffe sämtliche multimedialen Elemente entfernen und brachten nur noch reine Textmeldungen, so dass ein wesentlicher Vorteil, die Multimedialität der Online-Medien, nicht ausgespielt werden konnte. Dadurch trat die paradoxe Situation ein, dass die für dieses Medium extrem hohe Nutzerzahl eine noch höhere Online-Mediennutzung verhindert hat.

Spiegel-Online Sep 11, 17:25 Uhr MEZ:
Da die Server überlastet waren, leitete Spiegel-Online die Besucher der Seite auf eine Notseite mit reinen Textmeldungen weiter.

Webseite Spiegel Online am 11 September 2001

Die Spiegel-Website nachdem die Serverprobleme behoben waren Sep 11, 20:08 Uhr MEZ:

Webseite Spiegel Online am 11 September 2001

11 Sept

Im September 2011 stiegen die Zugriffe auf Online-Medien um fast 50 Prozent an, wie das  Chart oben zeigt. Im darauf folgenden Monat Oktober, mit Ausbruch des  Afghanistankriegs, war das Bedürfnis, sich über die neuen Nachrichtenmedien zu informieren, offenbar noch größer und die Zugriffszahlen steigerten sich ein weiteres Mal. Die Monate, in denen die beiden Schlüsselereignisse stattfanden, markierten den Höhepunkt der Online-Mediennutzung. In den folgenden beiden Monaten ging diese wieder zurück, lag aber immer noch weit über den Zugriffszahlen vor dem 11. September.

Auch wenn das Medienereignis 9/11 deutlich machte, dass noch nicht alle Online-Medien auf eine solch hohe Nutzung vorbereitet waren, wurde ein Trend verstärkt und beschleunigt: Die Nachfrage zeigte, dass das Internet als Informationsmedium ernstgenommen wurde. Der 11. September war für die Online-Medien der Durchbruch. Sie wurden zum ersten Mal bewusst und zielgerichtet als Nachrichtenquelle genutzt.

Die Situation 15 Jahre nach 9/11

Bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 spielten die Online-Medien als Quelle für die Erstinformation im Vergleich zur Live-Übertragung im TV noch keine wesentliche Rolle. Betrachtet man die Mediennutzung 15 Jahre nach den Terroranschlägen, zeigt sich eine deutliche Entwicklung zugunsten der Online-Medien. Die Print-, Radio- und TV-Nutzungen stagnieren bzw. sind teilweise sogar rückläufig. Die Online-Mediennutzung hat sich seit 9/11 hingegen im Durchschnitt verfünfzehnfacht (bezogen auf die damaligen Top- 10 Medien)!

Diagramm Studie Top Medien von 2001 Vergleich zu heuteBILD.de zählt mittlerweile, gemessen an den Zugriffszahlen von über 364 Mio Visits im Monat, zu den erfolgreichsten Online-Medien und hat sich in den letzten 15 Jahren mit einer Steigerung von 4.700 Prozent extrem positiv entwickelt. Die verkaufte Auflage der BILD-Zeitung hat sich hingegen im gleichen Zeitraum von 4,5 Mio. verkaufter Exemplare auf 1,9 Mio. um -58 Prozent reduziert.
2016 sind  über 80 Prozent (ca. 64 Mio.) der Deutschen online. Das entspricht verglichen mit 2001, als 24,7 Mio. Deutsche einen Zugang zum Internet hatten, einem Zuwachs von ca. 160 Prozent.
Verglichen mit den Steigerungsraten der Online-Medien-Zugriffe von im Schnitt über 1.500 Prozent, lässt sich die enorme Entwicklung der Online-Mediennutzung nicht nur auf die generelle Ausweitung der Erreichbarkeit zurückführen. Heute informieren sich, laut einer Anfang Mai 2016 veröffentlichte Repräsentativstudie, die im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom  durchgeführt wurde, drei Viertel (76 Prozent) der Internetnutzer im Netz über aktuelle Nachrichten. Hochgerechnet sind dies fast 60 Prozent aller Deutschen! Im Frühjahr 2015 nutzte jeder vierte Deutsche täglich Nachrichten im Internet (25 Prozent). Weitere 18 Prozent lasen im Wochenrhythmus Onlinenachrichten. Damit nutzten 43 Prozent der Deutschen wöchentlich oder häufiger Nachrichten im Internet, seltener als wöchentlich waren es 16 Prozent. Heute zählen Online-Medien zu den Haupt-Informationsquellen. Ein wesentlicher Grund: Die hohe Verfügbarkeit an mobilen Endgeräten macht ein „Nachrichten-Update“ jederzeit und überall möglich.

Welche Rolle spielen Online-Medien heute im Krisenfall?

Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp oder soziale Netzwerke wie Facebook sind für 14- bis 29-Jährige inzwischen zentrale Umschlagplätze für tagesaktuelle Informationen. Push-Benachrichtigungen begleiten viele User im Alltag und das regelmäßige Checking und Snacking von Updates der Lage in der Welt und im Freundeskreis hat sich massiv intensiviert (Quelle: Eimeren und Koch, ARD/ZDF-Onlinestudie 2015).
Vor allem Online-Angebote der klassischen Medien sind bei den Usern sehr beliebt und wirken besonders vertrauens- und glaubwürdig.
Aber auch die Sozialen Medien spielen eine immer wichtigere Rolle in Krisenfällen. Gerade bei Terror-Anschlägen wie in Paris, Brüssel, Nizza, Amokläufen oder anderen negativen Ereignisse werden News zunächst über Twitter verbreitet und diskutiert. Dabei stellt sich für die Rezipienten allerdings die Kernfrage: „Wie vertrauens- bzw. glaubwürdig ist die Quelle?“
Twittern die etablierten Medien oder die Polizei selbst, wie beim Amoklauf in München oder sind es einzelne Personen, deren Glaubwürdigkeit erst erkannt werden muss. Im Social Web ist die Einordnung des Nachrichten-Verfassers von besonderer Bedeutung. Die Glaubwürdigkeit einer Nachricht wird nicht mehr vom Image des Mediums, sondern von der Glaubwürdigkeit des Autors (Influencers) abgeleitet.

Die besonderen Gratifikationen der Online-Medien kommen den Informationsbedürfnissen der Rezipienten besonders in Krisen offensichtlich am nächsten. Sie vereinen Aktualität, Visualität mit Hintergrundinformationen wie kein anderes Medium. Die anderen Medienquellen wie Print, TV und Radio werden zwar nach wie vor komplementär genutzt, ihre Bedeutung als Informationsquelle in Krisen wird aber in Zukunft immer weiter abnehmen.

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