Serie: Medienspiegel & Lizenzrecht, Teil III

Internationale Märkte, Globalisierung, weltweite Unternehmenskooperationen und globale Strukturen: Moderne, globalisierte Unternehmensstrukturen bringen einen erheblichen Bedarf an umfassender Information mit sich. Das wirkt sich auch auf die Anforderungen an moderne Medienspiegel aus: Immer mehr Unternehmen legen Wert darauf, internationale Titel zu berücksichtigen oder zumindest internationale Leitmedien im Blick zu behalten.

Unterschiedlichste Regelungen von Land zu Land

Allerdings gibt es kein einheitliches Recht für die Einbindung von Printerzeugnissen in Medienspiegeln. Stattdessen hat jedes Land eine eigene Regelung, die in manchen Fällen sehr rigide Vorgaben beinhaltet, während es in anderen Ländern überhaupt kein Gesetz dazu gibt. Nachdem wir uns in Teil I und II unserer Reihe zum Lizenzrecht & Medienspiegel mit der Rechtslage in Deutschland beschäftigt haben, blicken wir heute über den Tellerrand auf einige Regelungen in anderen Ländern.

Großbritannien – zentrale Lizenzierung über die NLA

Copyright Concept Internationales Lizenzrecht für Printartikel im Medienspiegel

Copyright Concept Internationales Lizenzrecht für Printartikel im Medienspiegel

Zu den Ländern mit den traditionell schärfsten Lizenzbestimmungen gehörte lange vor allem Großbritannien. Hier vertritt die National Licence Agency (NLA) seit 1996 die Interessen der Verlage.
Bis vor Kurzem legte die NLA großen Wert darauf, genauestens im Bilde darüber zu sein, wie häufig Artikel von wem (Unternehmen, Mitarbeiter, etc.) aufgerufen wurden. Das bedeutete: Lizenznehmer erhielten einen Link auf den (digitalisierten) Print-Beitrag, welcher über die Seite der NLA aufgerufen werden konnte. Auf diese Weise konnte die NLA sehr genau verfolgen, wie häufig die Zugriffe von wo aus erfolgten. Da sich dieses Modell in der Praxis als äußerst kompliziert, wenig praxisgerecht und bürokratisch erwiesen hat, wird von der NLA derzeit ein vereinfachtes Lizenzmodell erarbeitet.
Zum Glück für deutsche Unternehmen, die auch britische Printtitel für ihren Medienspiegel erfasst haben möchten, kooperiert die NLA mit den Lizenzgebern in Deutschland. So kann über die PMG ein Set von rund 30 britischen Leitmedien direkt lizenziert werden.

Finnland – Individuelle Regelungen

In Finnland gibt es in Sachen Lizenzrecht zwei entscheidende Besonderheiten: 1. Printartikel dürfen grundsätzlich nur postalisch versendet werden. 2. Es existiert keine nationale Verwertungsgesellschaft, die einheitlich die lizenzrechtlichen Interessen der Verlage vertritt. Stattdessen obliegt es jedem Monitoring-Dienstleister, individuell mit den Verlagen zu verhandeln. Das hat allerdings zu einer ungewöhnlichen Entwicklung geführt: Viele Verlage bieten selbst ein umfassendes Monitoring an oder/und arbeiten mit Monitoring-Dienstleistern aus anderen Ländern zusammen. Auf diese Weise können wir zum Beispiel auch im Sinne unserer Kunden individuelle Möglichkeiten verhandeln, auch Printerzeugnisse aus Finnland zu lizenzieren. In anderen skandinavischen Ländern ist die Situation übrigens ähnlich: Es gibt vergleichsweise wenige gesetzliche Vorgaben für die Lizenzierung, aber die meisten Verlage räumen bereitwillig Lizenzierungsmöglichkeiten ein.

Osteuropa – freie Fahrt für interne Verwendung

In den osteuropäischen Ländern gibt es derzeit so gut wie keine Regelungen zur Lizenzierung. Mit zwei Ausnahmen allerdings: Die Angabe der Quelle ist Pflicht und die Beiträge dürfen ausschließlich intern (z.B. im internen Medienspiegel) verwendet werden. Eine unlizenzierte Veröffentlichung z.B. auf der Firmenwebseite oder eine Weitergabe an Dritte ist nicht zulässig.

Kanada & Norwegen – Do it yourself

Lizenzrechtlich haben Kanada und Norwegen einiges gemeinsam: Die rechtlichen Vorgaben in Bezug auf die Wiedergabe von (Print-)Artikeln in digitalen Medienspiegeln sind auf gleiche Art sehr rigide: Artikel dürfen, bis auf wenige Ausnahmen, grundsätzlich nicht 1:1 abgebildet werden. Es ist allerdings erlaubt, einen Abstract, also eine kurze Zusammenfassung des Beitrages, im Medienspiegel auszugeben. Das heißt der Artikelinhalt wird in einem kurzen, wenige Sätze umfassenden, Text zusammengefasst. Für die Rechtslage ist es dabei unerheblich, ob dieser Kurztext maschinell oder „von Hand“ erstellt wurde. Die Lizenzgebühren, die dafür anfallen, verhandeln die Monitoring-Anbieter dann individuell mit den Verlagen.

Den ersten und zweiten Teil unserer Serie zum Medienspiegel und Lizenzrecht finden Sie hier:

Interview mit Dr. Oliver Graßy von der PMG über Lizenzierungen und das Lizenzrecht

4 Fakten zu Medienspiegel & Lizenzrecht, die Sie unbedingt kennen sollten

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