ThyssenKrupp AG
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Neue Kältetechnik für Bob- und Rodelbahn am Königssee
15.02.2011, 14:32
Außergewöhnliche Instandsetzung vor traumhafter Kulisse

Es war eine außergewöhnliche Aufgabe: Ein knapp vierzig Mitarbeiter starkes Team aus dem Hause ThyssenKrupp Xervon hat die legendäre Bob- und Rodelbahn am Königssee mit neuer Kältetechnik versorgt. Während der letzten sieben Monate wurden insgesamt 32 Kilometer Rohre und 560 Armaturen am teils neu, teils umgebauten Bahnverlauf montiert. Immer unter Termindruck. Denn die modernisierte Strecke musste pünktlich für die jetzt anstehenden Wettkämpfe fertig sein.

Wer kennt sie nicht: die Berchtesgadener Kunsteisbahn am Königssee - seit 1960 Austragungsort vieler Rodel-, Bob- und Skeleton-Wettkämpfe. Sie ist die älteste Kunsteisbahn der Welt und gilt mit ihren 18 Kurven bei Insidern noch heute als eine der technisch anspruchsvollsten Bob- und Rodelbahnen im Weltcup-Zirkus. Damit das so bleibt, wird die 1 640 Meter lange Bahn für rund 22 Millionen Euro umfassend modernisiert, umgebaut und den aktuellen Anforderungen der Regelements für den Bob- und Schlittensport angepasst. In einem ersten Bauabschnitt, der Anfang Dezember termingerecht zur anstehenden Wintersaison beendet wurde, sind in den vergangenen Monaten das Zielhaus und der komplette untere Bahnteil über die Zielkurve hinaus bis zum Auslauf neu gebaut worden. Weitere Teilbereiche wurden modifiziert.

Arbeitsreiche Wochen liegen hinter dem ThyssenKrupp Xervon-Team aus Projektleiter, Bauleiter, Planer, 17 Vorrichtern, zwölf Schweißern, zwei Obermonteuren und zwei Maschinisten. Von Ende April bis Anfang Dezember hatten sie ihren sonst üblichen Arbeitsplatz in Industrieanlagen und Raffinerien gegen die einzigartige Kulisse von Watzmann und Königssee getauscht.

Doch für beschauliche Ausblicke ließ der eng gesteckte Terminplan wenig Zeit. Mit fünf Mannschafts-, zwei Werkzeug- und zwei Lagercontainern, 15 Schweißmaschinen und Hebezeug waren die erfahrenen Facharbeiter angerückt, um die Kältetechnik an den im Bau befindlichen Streckenteilen zu installieren und die Fernleitung von Kurve 6 bis Kurve 18 zu sanieren.

Zur Veranschaulichung: Das Kältemittel, das die Kunsteisbahn auf Temperatur bringt, ist in der durchschnittlich 15 - 30 Zentimeter dicken Fahrrinne aus Beton integriert. Es verläuft in voneinander getrennten Kälteabschnitten, sogenannten Kollektoren. Jeder Kollektor besteht aus individuell angepassten Rohrleitungen. Die Kühlflüssigkeit durchströmt sie, wird - ebenfalls über Rohrleitungen - nach außen in diverse Sammler geleitet und gelangt anschließend wieder zurück in den Kältekreislauf.

Maßanfertigung

Die maßgeschneiderte Ausführung der einzelnen Kälteeinheiten und ihre Einbindung in den Kühlkreislauf war die Hauptaufgabenstellung für ThyssenKrupp Xervon. Sie umfasste alle Rohrleitungsarbeiten inklusive Vorrichten, Verlegen und Schweißen. Der Auftrag beinhaltete außerdem die Lieferung und den Einbau von Einschweißarmaturen, die Einbindung neuer Steuerelemente (Temperaturmessstellen, Magnetventile) in die bestehende Automatisierungsanlage sowie diverse Beschichtungs- und Isolierarbeiten und das komplette Projektmanagement all dieser Arbeiten inklusive Dokumentation und Materialmanagement. Insgesamt 32 000 Meter Edelstahlrohre im Durchmesser von DN 20 bis DN 300 wurden verbaut. Inklusive Fittings sind das rund 140 Tonnen Material, die zu verlegefertigen Einheiten vorbereitet an die Bahn gebracht, in die Schalung gehoben und montiert werden mussten. Hinzu kamen der Einbau von zirka 560 Armaturen, zwölf Tonnen Rohrhalterungen sowie etwa 120 Einzelteile der Elektro-, Mess- und Regeltechnik.

Eine anspruchsvolle Aufgabe für Xervon-Projektleiter Robert Liepold, Bauleiter Mario Lemke und das Team vor Ort. Galt es doch nicht nur die eigenen Gewerke zu überwachen und zu organisieren, sondern diese auch permanent mit der ingenieurtechnischen Streckenplanung und dem Betonbau abzustimmen. Sobald das exakte Aussehen eines Bahnabschnitts endgültig feststand, konnten die Xervon-Planer ihre detaillierte Ausführungsplanung (isometrische Zeichnungen) für die Rohrleitungen entwickeln, das benötigte Material und die einbaufertigen Armaturen ordern. Bevor es ans Verlegen ging, mussten im betreffenden Bahnabschnitt Fundamente errichtet, die Außenschalung für die Betonrinne aufgestellt und das Stahlgeflecht eingebracht werden, auf dem die Rohrleitungen mit speziellen Halterungen befestigt und dann miteinander verschweißt wurden. Um anschließend der Betonbahn ihre endgültige Form zu geben, haben die Betonbauer Spritzbeton aufgetragen und dann von Hand abgezogen.

Eine Aufgabenstellung, die von allen beteiligten Gewerken viel räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Können verlangt. Man halte sich eine einzelne Bahnkurve vor Augen: Ihr dreidimensionaler Verlauf - Krümmung, Neigung und Höhe - wird einzig durch die räumliche Ausbildung der Betonrinne bestimmt. Und die innerhalb der Rinne befindlichen Rohrleitungen müssen exakt dieser Form folgen, also in Bögen mit unterschiedlichen Radien und Längen verlegt und verschweißt werden. Die hierbei geduldeten Ausführungstoleranzen sind äußerst gering und bewegen sich im Millimeterbereich.

Absolute Präzision und hundertprozentige Dichtigkeit - so die geforderte hohe Qualität der Rohrleitungsarbeiten. Zur Kontrolle ließ ThyssenKrupp Xervon die einzelnen Teilabschnitte mit der so genannten Rot-Weiß-Farbeindringprüfung auf Risse untersuchen. Rund zehn Prozent der Schweißnähte wurden zudem durch Röntgenuntersuchungen geprüft. Nach dem Einbau der Teilstücke und ihrem Verschweißen zu einzelnen Kollektoren wurden diese außerdem mit Stickstoff abgedrückt. Der blieb bis zum Abschluss der Arbeiten unter reduziertem Druck in den Leitungsstücken, um eine eventuelle Beschädigung durch nachfolgende Gewerke sofort sichtbar zu machen.

Abhängigkeiten

Die eigentliche Herausforderung der anspruchsvollen Installationsarbeiten lag aber nicht in deren sach- und fachgerechter Ausführung, sondern in der Abhängigkeit von externen Faktoren. Bestes Beispiel: die ungewöhnlich widrigen Witterungsbedingungen. Häufiger Regen und extrem früher Schneefall haben den Arbeitsablauf stark beeinflusst. Aber auch die sehr aufwändige, langwierige Planung der komplexen Bahngeometrie. Neubau und Modernisierung waren in mehrere Teilabschnitte mit Längen zwischen 7,5 und 72 Metern aufgeteilt. "Doch selbst innerhalb dieser einzelnen Abschnitte konnten wir selten kontinuierlich durcharbeiten", erläutert Mario Lemke die besondere Herausforderung. Eine schnelle Anpassung der Ausführungsplanung, umgehende Personalaufstockungen und kurzfristige Materialbeschaffungen gehörten deshalb für das Xervon-Team zur Tagesordnung.

"Die Flexibilität und Motivation aller Kollegen, immer da einzuspringen, wo nötig und auch kurzfristig anstehende Mehrarbeit engagiert zu erledigen, haben für eine termingerechte Abwicklung der Arbeiten gesorgt", lobt Robert Liepold seine Mitarbeiter. Deren langjährige Einsatzerfahrung in der Industrie, wo jede Terminüberschreitung extrem teuer komme, sei auf der Berchtesgadener Baustelle sehr willkommen gewesen. "Wir setzen uns grundsätzlich zum Ziel, die geforderten Termine noch zu unterschreiten. Das schafft Spielräume und hilft auch den anderen beteiligten Gewerken", so Liepold. Letztendlich könne man eine solche Aufgabe - wie auch im Sport - nur als Team gewinnen. Dieses Jahr gehen sie wieder an den Start: Dann werden in einem zweiten Bauabschnitt unter anderem die beiden Einstiegsbereiche für die Skeleton- und Bobfahrer modifiziert.

ThyssenKrupp Xervon zählt zu den führenden Unternehmen für technische Dienstleistungen zur Errichtung und Instandhaltung von Industrieanlagen weltweit. Dabei liegt der Kundenfokus vornehmlich in der Chemie und Petrochemie, der Energiewirtschaft und der Bauindustrie.

Das Leistungsspektrum reicht von einzelnen Dienstleistungen, beispielsweise Gerüstbau, Isolierung, Oberflächentechnik und Rohrleitungsbau über die Komplett-Instandhaltung von Prozessanlagen (Montage, Wartung, Inspektion und Reparatur von Rotating Equipment, EMSR-Equipment, Armaturen und Apparaten) bis hin zum umfassenden Standortmanagement inklusive Budgetierung, Instandhaltungsplanung und -ausführung, der Erbringung von Infrastrukturdienstleistungen sowie dem Betrieb von Nebenanlagen.

Eine Xervon Spezialität ist darüber hinaus das Shutdown-Management, wo das Unternehmen über eine mehr als 30jährige Erfahrung verfügt und international unzählige Großprojekte erfolgreich geplant und durchgeführt hat.

Ein weiterer Unternehmensbereich ist die Bauwerkserhaltung. Sie umfasst umfangreiche Leistungen rund um Ingenieurbauten sowie Wohn- und Gewerbeimmobilien: von der Dachdeckung und -abdichtung, über Maler- und Fassadenarbeiten bis hin zu Betoninstandsetzungen sowie der Komplettinstandsetzung von Wohnanlagen.


Ansprechpartner:

ThyssenKrupp Business Services GmbH
Ulrike Grönefeld
Communication Services
Telefon: +49 (0)201/844-535792
E-Mail: ulrike.groenefeld@thyssenkrupp.com


Essen - Veröffentlicht von pressrelations

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