Die digitale Branche hat sich letzte Woche in Hamburg auf der Social Media Week und bei den Online Marketing Rockstars getroffen, um über Trends zu diskutieren und in die Zukunft zu blicken – und wir waren mittendrin. Aber was genau erwartete uns auf den beiden Events? Welche Entwicklungen sind in den nächsten Jahren wichtig? Hier kommen die digitalen Trends aus Hamburg.

Social Media Week
Chatbots, Content Marketing und KI: Das sind nur drei Buzzwords, über die in Hamburg auf der sechsten Social Media Week debattiert wurde. Passend dazu lautet das diesjährige Motto der Social Media Week Hamburg (SMWHH) „Language and the Machine – Sprache trifft Technologie: Algorithmen und die Zukunft der Kommunikation“. In den rund 150 kostenlosen Veranstaltungen wurden weitere Entwicklungen im Social Media Bereich thematisiert, darunter die zunehmende Verbreitung von Live Videos und Messaging Apps zur Kommunikation, der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie die Nutzung von Sprachsteuerungen. Die Social Media Week ist die “weltweit größte öffentliche” Konferenz zum Thema Social Web und wird seit 2012 weltweit in mehreren Metropolen gleichzeitig veranstaltet, diesmal auch in New York und Jakarta.

Wir haben unsere Eindrücke vom Eröffnungstag der Social Media Week zusammengefasst.

In der Auftakt-Keynote „Chatbots – Modeerscheinung oder ‚must have‘ für Unternehmen“ zum Fokusthema Bots drehte sich alles um den technologischen Wandel in der Kunden- und Unternehmenskommunikation. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Bots zukünftig im Alltag der Konsumenten spielen und welche Auswirkungen sie auf das Kaufverhalten haben werden. Chatbots sind Programme, mit denen man sich unterhalten kann. Sie verstehen, was man ihnen sagt und antworten sinngemäß. Anhand von Angaben können sie gewisse Aufgaben erledigen.
Die Akzeptanz für Chatsbots ist bereits jetzt schon riesig. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom ist jeder vierte Bundesbürger offen dafür, Chatbots im Alltag zu benutzen. Dabei hoben die Befragten vor allem diese Einsatzmöglichkeiten hervor:

  • als Assistent für die persönliche Terminplanung
  • für die Recherche und Buchung von Reisen, Flügen, Zugfahrten oder Hotels
  • für den Abruf von Informationen, wie das Wetter, Nachrichten, die Verkehrslage oder Börsenwerte
  • für den Kundenservice, um dort Nachfragen zu Bestellungen und Beschwerden zu tätigen

Ein weiteres Highlight war die Keynote von Jonathan Mall über die Verbindung von Neuromarketing mit Big Data sowie die Nutzung von persuasiver Kommunikation. Er erklärte anhand des US-Wahlkampfs, welche Macht visuelle Reize und Wörter auf das Unterbewusstsein der User haben können. Persuasive Kommunikation setzt u.a. darauf, dass sich der Mensch selbst beeinflusst bzw. Sachverhalte selbst uminterpretiert, z.B. um seinen Selbstwert aufrechtzuhalten oder um kognitive Dissonanzen zu vermeiden oder zu lösen. Neuromarketing setzt voraus, dass beim Kauf häufig Prozesse mit Blick auf das Kundenverhalten ablaufen, die nicht rational begründet sind. Die Herausforderung fürs Neuromarketing besteht also darin, die Bedürfnisse und Motive der Kunden zu kennen und den passenden Content für sie bereitzustellen, um ihre Kaufentscheidungen positiv zu beeinflussen. Zukünftig werden Erkenntnisse aus dem Neuromarketing stärker in die Gestaltung von Shops oder Unternehmenswebsites mit einfließen. Einige Online Shops nutzen bereits z.B. vermehrt das Storytelling, um Emotionen im Käufer zu wecken.

Words that work: How to use Neuromarketing and Big-Data to create a persuasive language

Keynote: „Words that work: How to use Neuromarketing and Big-Data to create a persuasive language.“ Social Media Week 2017

Spannend für Marketeers: Nivea stellte anhand ausgewählter Beispiele ihre globale Content Marketing Strategie vor und gab einen Einblick in die konkrete Umsetzungam Beispiel Deutschland. Content Marketing wird bei Nivea nicht als eine losgelöste Disziplin im Online Marketing betrachtet, sondern vielmehr als integraler Bestandteil der gesamten Marketingabteilung gesehen. Dabei nutzt Nivea die Vielfalt des Content Marketings – von der Umsetzung von SEO-Maßnahmen, um das Informationsbedürfnis der Konsumenten hinsichtlich Hautpflege und Nivea-Produkte zu befriedigen, bis hin zu Kampagnen über Instagram sowie Influencer Marketing, um Reichweite und Interaktionen in sozialen Netzwerken zu steigern.

Content Marketing @ NIVEA – Vom Buzzword zum Business.

Keynote: „Content Marketing @ NIVEA – Vom Buzzword zum Business.“ Social Media Week 2017

Influencer Marketing – kaum ein Unternehmen kommt daran vorbei. Es gibt aber immer noch viele Unsicherheiten im Umgang mit diesem Thema: „Wie genau finden Brands und Influencer eigentlich zusammen? Wieso ist es so wichtig, dass Produkt und Marke authentisch zueinander passen?“ Diese Fragen diskutierten Simon Kaiser (Klein aber), Florian Happe (Hashtaglove), Christoph Kastenholz (PULSE ADVERTISING) und Bjoern Wenzel (Lucky Shareman) mit dem SMWHH-Beirat Torsten Panzer (Kommunikationsberatung Panzer Reputation & Vorstandsvorsitzender PR Club Hamburg e.V.). Bei der Bewertung eines Influencers ist es entscheidend, nicht nur auf dessen Reichweite zu achten.
Eine Gruppe, die hier eine immer größere Rolle spielt, sind Mikro Influencer. Im Gegensatz zu den großen Influencern, die nicht selten Millionen Abonnenten, Fans und Follower haben, befinden sich Micro Influencer mit Reichweiten zwischen 1.000 und 100.000 Usern meist im unteren Mittelfeld. Jedoch fallen ihre Interaktionsraten überproportional aus. Da sich ihre Zielgruppe oft aus Mitgliedern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zusammensetzt, erhalten Mikro Influencer mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Das wiederum macht sie besonders für Unternehmen mit kleinen Marketingbudgets interessant. Folgende Kriterien gilt es bei der Auswahl von relevanten Influencer zu beachten:

  •  Inhaltliche Ausrichtung der Influencer
  • Bildsprache und Bildqualität ihrer Beiträge
  • Aktivität der Influencer
  • Reichweite der Influencer in den relevanten Zielgruppen
  • Interaktionen in den relevanten Zielgruppen
  • Zielgruppen der Influencer

Dabei sollte die inhaltliche Ausrichtung immer der Reichweite übergeordnet werden.

Influencer Marketing Social Media Week 2017

(Influencer Marketing Gipfel: V.l.n.r. SMWHH-Beirat Torsten Panzer, Simon Kaiser, Florian Happe, Christoph Kastenholz und Bjoern Wenzel.)

Online Marketing Rockstars

Die Trends im Influencer- & Content Marketing und SEO standen am 2. und 3. März bei den Online Marketing Rockstars zur Diskussion.
Grundlage der Yahoo-Keynote zum Thema „Content Marketing – Storytelling mit ROI“ waren Ergebnisse der Studie „Return on Inspiration“, die durch den IAB Europe ausgezeichnet wurde. Laut dieser Yahoo-Studie muss Content Marketing den Empfänger vor allem inspirieren. Denn: Kommunikation mit den Kunden funktioniert immer weniger als Einbahnstraße. Unternehmen haben nicht mehr alle Kommunikations-Macht in der Hand, sondern müssen auf ihre Zielgruppe reagieren.
Die Auswirkungen von inspirierendem Content Marketing zeigen sich auf mehreren Ebenen. Kamen Konsumenten mit innovativen Content-Marketing-Konzepten in Berührung, erhöhte sich ihre Kaufbereitschaft um den Faktor 1,84. Ein weiteres Resultat der Studie: Je länger sich User (täglich mindestens zwei Stunden) mit Online Inhalten beschäftigten, desto aufgeschlossener sind sie gegenüber Content Marketing. Die Studie attestiert diesen Internetnutzern eine besonders hohe Offenheit gegenüber Markenbotschaften.

Keynote: "Content Marketing – Storytelling mit ROI" von Yahoo auf der Expo der Online Marketing Rockstars

Keynote: „Content Marketing – Storytelling mit ROI“ von Yahoo auf der Expo der Online Marketing Rockstars

“To Be (Found) or Not to Be (Found)—That is the SEO Question” mit diesem Titel eröffnete Marcus Tandler von OnPage.org den SEO-Block auf der Expo-Stage. Er lieferte neue Impulse und zeigte auf, was im SEO-Bereich in diesem Jahr auf uns zukommt. Wichtige Learnings sind u.a.:

  • Chrome ist Marktführer bei den Browsern.
  • Google wird noch mehr Daten aggregieren (z.B. über Chrome, Analytics etc.).
  • Page Speed: schnelle Ladezeiten v.a. auch auf mobilen Endgeräten sind die Voraussetzung für ein gutes Ranking.
  • Weg vom klassischen HTML, hin zu schnelleren Accelerated Mobile Pages (AMP): AMP ist das Thema bei Google und wird stark forciert. Aktuell sind über ca. 150.000.000 AMP Seiten im Index.
  • Progressive Web Apps (kurz auch PWA genannt) werden wichtig. Immer mehr User nutzen das Smartphone, um ins Internet zu gehen. Bisher bestand das Problem für Webseitenbetreiber darin, dass sowohl eine responsive oder mobile Webseite als auch zusätzlich eine native App entwickelt werden musste. Progressive Web Apps schließen damit eine lang bekannte Lücke innerhalb des „Mobile First“-Ansatzes und machen die doppelte Entwicklung überflüssig.
  • Local SEO: Wer in der lokalen Suche gut ranken will, sollte auch die lokale Telefonvorwahl auf seiner Seite integrieren.

Zukünftig ist die Verknüpfung von UX und SEO ein wesentlicher Ranking-Faktor. Nur, wer Nutzer auf Dauer zufriedenstellt, bekommt langfristig Traffic von der Suchmaschine. In dem Moment, wo ein Nutzer einen Suchbegriff eingibt und auf die entsprechende Seite gelangt, müssen die Inhalte in genau diesem Kontext passen und die User-Bedürfnisse sofort befriedigen. Erst durch eine positive Search Experience halten sich Nutzer deutlich länger auf der Unternehmens-Webseite auf und können sowohl den Umsatz als auch die Reichweite und Kundeninteraktion steigern. Diese UX-optimierten Websites werden dann von Suchmaschinen in den Suchergebnissen bevorzug.

Keynote: “To Be (Found) or Not to Be (Found) -That is the SEO Question” von Marcus Tandler bei den Online Marketing Rockstars

Keynote: “To Be (Found) or Not to Be (Found) -That is the SEO Question” von Marcus Tandler bei den Online Marketing Rockstars

In der Masterclass von Dave Evans (CEO von Lithium) ging es um die zentrale Frage, wie Unternehmen die Social Customer Experience für ihr Marketing nutzen können. Gutes Customer-Experience-Management basiert auf der emotionalen Verbindung zwischen Marke und Kunden. Denn: Positive Erfahrungen mit einer Marke sind wichtig, um beim Kunden Loyalität zu schaffen und ihn an diese zu binden. Daher sollten Unternehmen alle Daten, die ihnen zur Verfügung stehen, nutzen, um zu verstehen, was ihre Kunden glücklich macht. Vor allem anhand von Social Media- Daten können Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Kunden „vorausahnen“, zielgerichtete Marketingkampagnen durchführen und die Customer Experience positiv beeinflussen. Unternehmen sollten Social Media dabei nicht nur zum Vermarkten von Produkten nutzen, sondern auch als Plattform für die Kundenbeziehungspflege aufbauen. Customer-Experience ist aber nicht nur ein Social Media Thema, sondern sollte kanalübergreifend geschehen. Egal auf welchem Kanal der Kunde kommuniziert, das Unternehmen sollte ihm stets helfen und antworten können.

Online Marketing Rockstars Masterclass: "Building a First Class Social Customer Experience Programme" mit Dave Evans

Online Marketing Rockstars Masterclass: „Building a First Class Social Customer Experience Programme“ mit Dave Evans

Merken

Merken

Merken

Merken

The following two tabs change content below.
Anja Kloster

Anja Kloster

Marketing Managerin bei pressrelations GmbH
Anja Kloster ist Marketing Managerin bei pressrelations in Berlin und auch für die Konzeptionierung von Social Media Monitoring Lösungen verantwortlich. Sie schreibt rund um die Themen Social Media, Online Marketing und SEO. Bevor sie zu pressrelations kam, war sie als Social Media Content Managerin und Research & Program Planning Managerin für internationale Medienkonzerne tätig.

Pin It on Pinterest

Bitte weitersagen!

Teilen Sie den Artikel mit Ihren Freunden!